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Auszug

2.3 Risikomanagement: „Blindflug oder Punktlandung?“


2.3.1 Das Risikomanagement muss weiterentwickelt werden

Im Zuge der Finanzmarktkrise hat das Risikomanagement in Kreditinstituten und auch außerhalb der Finanzbranche einen weitaus höheren Stellenwert erreicht, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Gleichzeitig stellt sich die Frage, was in Anbetracht der jüngsten Ereignisse im Risikomanagement verbessert werden muss, um zukünftig besser gerüstet zu sein und „Blindflüge“ zu vermeiden.

Im Rahmen unserer Studie wurden die befragten Entscheider gebeten, die Bedeutung von fachlichen Themenfeldern einzuschätzen, die vor der Finanzmarktkrise nicht oder nur unzureichend gelöst wurden bzw. durch die Finanzmarktkrise potenziell eine geänderte Bedeutung erhalten.

Grafik: Risikomanagement

Betrachtet man die Umfrageergebnisse, so weist der Punkt „Steuerung des Credit Spread Risikos“ im Vergleich die höchste Bedeutung auf. Dieser Punkt zielt auf die Steuerung von Erträgen und Risiken aus kapitalmarktgehandelten Geschäften ab, die der÷„nderung von Risikoaufschlägen in Form von Spreads unterliegen, z.B. für Interbankengeschäfte oder Anleihen. Angesichts der eingetretenen Mark-to-Market- wie auch Buchverluste ist die Rangordnung dieser Weiterentwicklung im Risikomanagement keine Überraschung. Die Marktteilnehmer haben die Notwendig keit erkannt, ihre Kapitalmarktportfolien zukünftig besser zu steuern.

Die Notwendigkeit der Anpassung der institutsseitigen Asset Allocation unter Berücksichtigung der Finanzmarktkrise sieht eben falls ein überdurchschnittlicher Prozentsatz der Befragten. Die bisherige Vermögensallokation muss kritisch hinterfragt werden, ebenso wie die bislang verwendeten Modelle und Parameter – insbesondere bei ausschließlicher Verwendung historischer Daten. Die Beobachtungen und Erkenntnisse aus den jüngsten Er eignissen müssen zukünftig in die Strukturierung der Vermögensanlage einfließen.

Die offensichtlichen Schieflagen einiger prominenter Marktteilnehmer zeigen Lücken in den Risikotragfähigkeitssystematikenauf, die es zu schließen gilt. Dies spiegeln auch die Befragungsergebnisse wider. Die Verbesserung der Risikotragfähigkeitsberechnung ist notwendig, da häufig noch Mängel z.B. bezüglich der Mehrfachzuordnung von Größen auf der Seite der Risikodeckungs masse existieren bzw. wichtige Risikotreiber noch nicht in die Risikotragfähigkeitsberechnungen einfließen. Des Weiteren sind getroffene Korrelationsannahmen (Diversifikationsannahmen zwischen Risikoarten) in vielen Fällen zu hinterfragen und auch der Umgang mit Stressszenarien muss in Anbetracht der jüngsten Ereignisse überdacht werden.

Die explizite Berücksichtigung des Vertriebsrisikos wird von den Befragten als überdurchschnittlich wichtig eingeschätzt. Gerade in Zeiten schlechter Anlageerträge bzw. ungünstiger Refinanzierungskonditionen am Kapitalmarkt rückt das Kundengeschäft wieder in den Vordergrund. Gleichzeitig setzt sich ein stark kundengeschäftsorientiertes (und gegebenenfalls stark kundengeschäftsrefinanziertes) Kreditinstitut stark dem Risiko aus, dass Vertriebsziele nicht gehalten werden und in Folge geplante Erträge bzw. für die Refinanzierung benötigte Mittelzuflüsse nicht eintreten. Als Konsequenz müssen sich derartig strategisch positionierte Kreditinstitute in stärkerem Maße als bisher mit ihrem Vertriebsrisiko auseinander setzen.

Durch den hohen Druck in Richtung Verbesserung der Eigenmittelquote besteht speziell in größeren Unternehmen der Kreditwirtschaft die Tendenz, verstärkt Portfolien in den auf Internen Ratings Basierenden Ansatz (IRBA) zu überführen, um die Höhe der notwendigen Eigenmittelunterlegung für diese Aktiva aufgrund der in der Solvabilitätsverordnung geschaffenen Anreize zu Gunsten des IRBA gegenüber dem Kreditrisiko-Standardansatz zu optimieren. Neben der Verbesserung der Eigenmittelquote bezogen auf das vorhandene Geschäftsvolumen werden durch die Überführung von Aktiva in den IRBA vielfach auch Potenziale zur Ausweitung des Geschäftsvolumens bei vorhandener Eigenmittelausstattung gehoben. Die Umfrageergebnisse spiegeln dies aktuell nur begrenzt wider, da für die breite Masse der Primärbanken die Hürden des Wechsels in den IRBA gegenwärtig noch zu hoch erscheinen. Hier ist der Regulator gefordert, entsprechende Erleichterungen zu verabschieden, die es einem breiteren Nutzerkreis erlauben, in den unter Risikosteuerungsgesichtspunkten sinnvollen IRBA zu wechseln.

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